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Vorsicht zerbrechlich

Zwiesel im Bayerischen Wald ist bekannt für seine Glasindustrie. Die handwerkliche Herstellung von Glasprodukten, die hier teils noch betrieben wird, gilt heute als Kulturgut. Ein Blick in die Werkhallen eines Glasformenbauers zeigt: Hier kommen modernste Werkzeugmaschinen zum Einsatz.

Formenbau für die Glasindustrie

Die Firma Peter Olinger Formenbau e. K. ist auf Formen für höherwertige Wirtschaftsgläser im Kristall- und Bleikristallsektor spezialisiert. Ihre Produktionsmethoden hat sie stets dem aktuellen Stand der Technik angepasst. Während Formen früher meist erodiert und von Hand nachpoliert wurden, hat sich inzwischen das Fräsen durchgesetzt. „Formen für großflächige Vasen etwa haben wir schon immer gefräst, weil die dafür notwendigen Elektroden zu groß, zu schwer und zu teuer gewesen wären", sagt Geschäftsführer Peter Olinger. „Zwischenzeitlich fräsen wir fast alles - mit ausgezeichneten Ergebnissen in Qualität und Oberflächengüte."

Widersprüchliches Material - hohe Anforderungen

Die Ansprüche der Ziseleure an ihre Bearbeitungszentren sind sehr hoch. Sie müssen sich für das Schruppen im High-Speed-Bereich ebenso eignen wie für feinste Gravurarbeiten. Dafür braucht es neben einem gewissen Drehmoment auf der Spindel hohe Drehzahlen für die Feinarbeiten. Auch der als Formenmaterial eingesetzte Edelstahl ist anspruchsvoll: „Das ist ein widersprüchliches Material, weil es durch Chrom härter und durch Nickel weicher wird", erläutert Olinger.

Die neueste Fräsmaschine ist im Januar 2013 in Betrieb gegangen. Die Microcut MC 800LL wurde eigens nach Olingers Anforderungen modifiziert: Sie hat höherwertige Lager und einen stärkeren Motor, um die hohe Drehzahl und das erforderliche Drehmoment zu gewährleisten. Voraussetzung für den Kauf der Maschine war für ihn die Ausrüstung mit der Siemens-CNC. Die leistungsfähigere Steuerungsversion der SINUMERIK 828D (PPU 281) bringt schnellere Satzverarbeitungszeiten und 5 MB Arbeitsspeicher für Anwenderdaten mit.

Schneller zur fertigen Form

Um zügig und ohne zusätzliche Optimierung die erforderliche Oberflächengüte zu erzeugen, verfügt die Steuerung der Microcut über das Frästechnologiepaket SINUMERIK MDynamics. Dazu gehört der High-Speed-Setting-Zyklus (Cycle832). Dieser stellt alle wichtigen Funktionen und G-Code-Befehle für die High-Speed-Cutting- (HSC-) Bearbeitung zur Verfügung: Nach Eingabe der Bearbeitungsstrategie (Schruppen, Vorschlichten oder Schlichten) und der Toleranzen aktivieren sich im Hintergrund automatisch die jeweiligen Dynamikparameter. Mit der Option Advanced Surface, die Teil des Fräspakets ist, berechnet die Steuerung bei kurzen Bahnabschnitten und gleichzeitig schnellen Vorschüben das Geschwindigkeitsprofil schon im Voraus. Das so erzielte homogenere Geschwindigkeitsprofil optimiert die Bearbeitung von Freiformflächen im HSC-Bereich hinsichtlich Genauigkeit, Geschwindigkeit und Oberflächengüte.

Das Microcut-Bearbeitungszentrum stammt von der Tusch & Richter GmbH & Co. KG, Obertraubling, die vorwiegend Zerspanungsmaschinen aus Taiwan vertreibt. Robert Pickl, Geschäftsführer bei Tusch & Richter, ist sich sicher: „Die Anwendungen bei Peter Olinger zeigen, dass eine SINUMERIK gesteuerte Standardmaschine aus Taiwan die sprichwörtlich hohen Ansprüche eines Formenbauers erfüllt."

Entformung von Zerbrechlichem

Die Aufträge, die bei Peter Olinger eingehen, sind sehr unterschiedlich. Immer muss jedoch die Konstruktion der Form Designwünsche und Entformungsmöglichkeiten in Einklang bringen. Denn schließlich soll sich das zerbrechliche Glasprodukt entformen lassen, ohne Schaden zu nehmen. Das dafür notwendige Know-how schöpft Olinger aus jahrelanger Erfahrung mit Material und Herstellungsverfahren. Und auch, wenn die Glasproduzenten immer häufiger versuchen, Formen und damit Kosten zu sparen, kommen sie für viele Produkte an den Formenbauern nicht vorbei. Gut, wenn diese ein leistungsfähiges Equipment haben, um wirtschaftlich und in guter Qualität zu produzieren.