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Spannende Wettbewerbe mit SINUMERIK bei den WorldSkills Leipzig 2013

Bei den WorldSkills ging es letzte Woche heiß her: Über 1.000 Teilnehmer kämpften um die Weltmeistertitel in ihren Berufen.

Auch in vier CNC-Disziplinen wurden die Titel vergeben. Erfahren Sie auf den folgenden Seiten, wer gewonnen hat.

Herzlichen Glückwunsch an alle Gewinner! Aber auch die Teilnehmer ohne Medaille konnten neue Fertigkeiten und tolle Erfahrungen mit nach Hause nehmen.

Supervisor Kunststoffformen-Entwicklung im Interview

Bei den WorldSkills Leipzig 2013 findet zum zweiten Mal der Demonstrationswettbewerb für die Disziplin Kunststoffformen-Entwicklung statt. Wir konnten mit dem Supervisor Johann Keller ein kurzes Interview führen.

CNC4you: Hallo Herr Keller. Könnten Sie sich bitte kurz vorstellen und etwas über Ihre bisherigen Tätigkeiten sagen und wie Sie zu den WorldSkills gekommen sind?

Johann Keller: Ich bin Pensionär und war als Ingenieur für Prozessleittechnik im In- und Ausland tätig. Durch meine Tätigkeit beim SES (Senior Experten Service) kam ich zum ersten Mal in Kontakt mit den WorldSkills. Der SES ist eine Stiftung, bei der Menschen im Ruhestand die Möglichkeit haben, ihre Kenntnisse und ihr Wissen ehrenamtlich in Projekten im In- und Ausland weiterzugeben. Für den Bereich der Kunststoffformen-Entwicklung wurde von WorldSkills noch ein Experte gesucht, der diesen Wettbewerb etabliert und in Leipzig alles organisiert. Das hat mich interessiert und seitdem bin ich aktiv dabei.

CNC4you: Könnten Sie kurz den Skill Kunststoffformen-Entwicklung vorstellen, bei dem Sie Workshop Supervisor sind? Dieser Skill ist einer von den jüngeren Wettbewerben und ist noch nicht solange im Wettbewerb?

Johann Keller: Aktuell ist es noch ein Demonstrationswettbewerb. Erst ab der dritten Veranstaltung wird es eine offizielle WorldSkills Disziplin. Bei dieser Disziplin erstellen die Teilnehmer innerhalb der vorgegebenen Zeit eine Spritzgussform. Basis ist die Zeichnung des fertigen Kunststoffteils. Daraus konstruiert der Teilnehmer die Spritzgussform und muss, z. B. die Trennungsebene, die Auswerfer und auch das Schwundmaß berücksichtigen. Im CAM-System werden dann die NC-Programme erzeugt und an der CNC-Fräsmaschine die entsprechenden Formteile gefräst. Danach werden die Flächen noch poliert und die Form wird zusammengebaut. Anschließend erfolgen an der Spritzgussmaschine zehn Probeschüsse. Die Form und die gefertigten Kunststoffteile gehen zusammen in die Bewertung ein.

CNC4you: Welche Maschinen kommen in Leipzig dann zum Einsatz?

Johann Keller: Für das Fräsen stehen Komplettbearbeitungszentren MILLTAP 700 von DMG / MORI SEIKI zur Verfügung. Diese sind mit SINUMERIK 840D sl Steuerungen und der Bedienoberfläche SINUMERIK Operate ausgerüstet. Beim Spritzgießen wird eine Arburg Spritzgussmaschine verwendet.

CNC4you: Diese Disziplin erfordert viele umfassende Kenntnisse, die mit Ihrem Spezialgebiet, der Prozessleittechnik nicht so viel gemein haben. Wie werden Sie unterstützt?

Johann Keller: Jeder Wettbewerb hat ein ganzes Team für die Organisation. Zusammen mit dem hochqualifizierten indischen Chefexperten und den weltweiten Experten plane ich die einzelnen Schritte. Man sieht schon an den Teilnehmerländern wie Japan, China, Indonesien, Korea und Indien, welche Länder auf diesen Bereich spezialisiert sind.

CNC4you: Was erhoffen Sie sich durch die WorldSkills Leipzig 2013 für den Demonstrationswettbewerb?

Johann Keller: Der einzige europäische Teilnehmer kommt aus Irland. Ich würde mir natürlich mehr europäische Teilnehmer, insbesondere auch deutsche Teilnehmer, wünschen und erhoffe mir durch Leipzig einen Impuls für diesen Wettbewerb. Gerade in Deutschland als „Zentrum des Maschinenbaus“ sollte es doch genügend qualifizierte Teilnehmer für diese Aufgabe geben. Vielleicht findet sich wie beim Fräsen und Drehen auch ein geeigneter Partner aus der Industrie, der sich an der Organisation für die Kunststoffformen-Entwicklung der SkillsGermany beteiligt und diesen Wettbewerb mit eigenen Deutschen Meisterschaften ins Leben ruft. Schön wäre es natürlich, wenn 2015 auch ein deutscher Wettbewerbsteilnehmer um den Titel kämpfen würde.

CNC4you: Dankeschön, Herr Keller, für dieses interessante Interview und für die Vorstellung dieser neuen Disziplin. Wir wünschen Ihnen und Ihrem Team einen spannenden Wettbewerb in Leipzig und vielleicht die eine oder andere Anfrage eines Partners für die zukünftigen Wettbewerbe.

Herbert Mattes, WorldSkills Leipzig 2013 - Experte CNC-Fräsen

Herbert Mattes ist Ausbilder bei der CHIRON-WERKE GmbH & Co. KG in Tuttlingen. Seit den Weltmeisterschaften 2007 in Japan ist er bei SkillsGermany der Experte für den Bereich CNC-Fräsen. Zusammen mit CHIRON veranstaltet er die Vorentscheide CNC-Fräsen für die SkillsGermany und begleitet die Wettbewerbe als Experte. In einem Interview konnten wir uns kurz über die Teilnehmer unterhalten.

CNC4you: Hallo Herr Mattes, könnten Sie sich bitte kurz vorstellen?

Herbert Mattes: Ich arbeite seit über 30 Jahren bei Chiron und seit 10 Jahren bin ich für die Ausbildung zuständig.

CNC4you: Wie kamen Sie als Experte zu den SkillsGermany im CNC-Fräsen?

Herbert Mattes: Das ging relativ schnell. Im Juni 2007 wurde ich gefragt, ob ich nicht Experte bei SkillsGermany werden wollte und nachdem ich zugesagt hatte, war ich schon im September mit dem ersten Teilnehmer bei den 39. Weltmeisterschaften in Shizuoka/Japan dabei. Bis dahin wusste ich noch nicht, was auf mich zukommt. Im Jahr 2008 veranstalteten und organisierten wir bei Chiron die erste Vorqualifikation für die SkillsGermany und dann den großen Wettbewerb auf der AMB in Stuttgart. Seit dem finden nun wieder regelmäßig die SkillsGermany-Wettbewerbe statt. 2010 bei den EuroSkills in Lissabon hatten wir bisher den größten Erfolg mit dem Gewinn der Europameisterschaft im CNC-Fräsen.

CNC4you: Welche Anforderungen müssen die Teilnehmer erfüllen? Neben der Maschinenbedienung ist Programmieren mit dem CAM-System noch ein zusätzlicher Bestandteil.

Herbert Mattes: Der Teilnehmer sollte zuerst einmal fundierte Kenntnisse im Zeichnungslesen und bei der Programmierung mit einem CAM-System besitzen. Zum Einsatz kommt in der Regel Mastercam, auch aufgrund des weltweiten Einsatzes. In kürzester Zeit muss er die beste Programmierlösung erstellen. Da er nur eine Papierzeichnung erhält, muss er die Kontur geschickt im CAM umsetzen. Dabei sind die Konturen so trickreich gestaltet, dass man schon etwas nachdenken muss. Insbesondere die Toleranzklasse 7, mit ein bis zwei hundertstel Toleranz, erfordert eine angepasste Programmierung. Er muss also die Kontur so beschreiben, dass er in der Mitte der Toleranz liegt, sonst bekommt er später bei der Fertigung Probleme, wenn er genau auf Nullmaß programmiert.
Daneben werden gute Werkzeugkenntnisse gefordert. Der Kandidat entscheidet mit welchem Werkzeug eine effektivste und schnellste Bearbeitung möglich ist.

CNC4you: Werden die Werkzeuge gestellt oder bringt jeder Teilnehmer seine eigene Auswahl mit?

Herbert Mattes: Es gibt einen Werkzeugpool, den jeder Teilnehmer vorhalten muss. Da gibt es einen Werkzeugvorschlag mit Standardwerkzeugen. Der Kandidat wählt aber seine Werkzeuge und Strategien selber aus, da gibt es keine Vorgaben. Ziel ist es, die Bearbeitung schnellstmöglich durchzuführen.

CNC4you: Sie als erfahrener Skills-Experte habe bei vielen Wettbewerben die Kandidaten begutachten können. Wo liegen Ihrer Meinung nach die Stärken der deutschen Teilnehmer?

Herbert Mattes: Die Mitteleuropäer, insbesondere die Teilnehmer aus der Schweiz, Lichtenstein, Österreich und natürlich auch aus Deutschland, die eine duale Ausbildung erfahren haben, können sich spontan auf geänderte Situationen einstellen. Sprich, es läuft irgendwas nicht so wie erwartet, dann können sie sich schnell eine neue Lösung suchen und umsetzen. Andere Teilnehmer, die einfach stark auf ein schematisches System getrimmt sind, reagieren etwas unbeholfen. Das Fachwissen ist bei allen Teilnehmern auf dem gleichen Niveau.

CNC4you: Warum sollte eine Firma die Zeit und das Geld für die Teilnahme ihrer Azubis investieren? Der Ausfall an Zeit und die Kosten sind ja nicht unerheblich?

Herbert Mattes: Die Teilnahme der Firma an den Wettbewerben macht natürlich die Ausbildung für die potentiellen Azubis wesentlich interessanter und attraktiver. Bei den Bewerbern ist dies schon eine Hausnummer, Teilnehmer an den Weltmeisterschaften zu werden. Für den Kandidaten hat dies natürlich riesige Vorteile. Er wird in Systemen geschult, die sonst nicht so intensiv ausgebildet werden, wie z. B. CAM-Systemen, und er arbeitet auf unterschiedlichsten Maschinen. Insbesondere die speziellen Schulungen für Frässtrategien und Werkzeuge mit den Werkzeugherstellern bringen sehr viel. Hinzu kommt natürlich auch das Aufeinandertreffen der weltweiten Konkurrenz, um sich zu messen und auch Kontakte zu knüpfen.

CNC4you: Das heißt, auch für das spätere Berufsleben ist dies eine gute Basis. Haben Sie mit den Teilnehmern auch diese Erfahrung gemacht?

Herbert Mattes: Für unsere beiden Teilnehmer von Chiron kann ich nur sagen, dass sie nach der Ausbildung sofort in die Anwendungstechnik gewechselt sind und nicht in die Fertigung. Beide sind jetzt weltweit tätig und haben einen richtigen Karrieresprung gemacht. Der dritte Kandidat von einer anderen Firma hat nach der Ausbildung ein Studium begonnen und wird aufgrund der guten Leistung von seiner Firma mit einem Stipendium gefördert.

CNC4you: Die Skills scheinen ja doch eine Talentschmiede zu sein. Dann bedanken wir uns für das aufschlussreiche Gespräch.

Maschinen von DMG / MORI SEIKI mit SINUMERIK auf den WorldSkills Leipzig 2013

Zu den Wettbewerbsmaschinen und den WorldSkills Leipzig 2013 konnten wir mit Jörg Harings, dem Verantwortlichen für die Gesamtleitung Training bei der DMG / MORI SEIKI Academy kurz reden. Herr Harings war schon 2007 als Experte für das CNC-Drehen bei den Weltmeisterschaften dabei und organisiert seitdem u. a. die SkillsGermany Wettbewerbe CNC-Drehen und ist auch als Technischer Koordinator für diesen Bereich bei den WorldSkills in Leipzig dabei.

CNC4you: Hallo Herr Harings, als Firma Siemens interessiert uns natürlich erst mal, wieso die Wettbewerbsmaschinen mit SINUMERIK Steuerungen ausgerüstet sind.

Jörg Harings: Unsere Wahl fiel auf die SINUMERIK 840D sl mit SINUMERIK Operate, weil wir in diesem Wettbewerb unsere neuesten High-End-Maschinen präsentieren wollen, mit dem aktuellen Stand der Technik. Außerdem ist Siemens eine Universalsteuerung und besitzt daher beim Drehen und Fräsen eine identische Oberfläche. Das war uns wichtig.

CNC4you: Sie haben sowohl als Experte bei den Wettbewerben als auch bei DMG / MORI SEIKI Erfahrungen mit Skills-Teilnehmern gemacht. Wieso sollte eine Firma aus Ihrer Sicht die Azubis an den Skills-Wettbewerben teilnehmen lassen und welche Vorteile hat sie davon?

Jörg Harings: Wir bei DMG / MORI SEIKI und speziell in der Ausbildung haben festgestellt, dass Wettbewerbsteilnehmer viele neue Impulse in die Berufsausbildung bringen. Die Azubis gehen von sich aus schwierige Themen an und arbeiten viel praxisorientierter, der Wissenshunger ist deutlich gestiegen. Insgesamt hat sich die Qualität der Azubis und der Ausbildung enorm erhöht. Natürlich bringen die Teilnehmer auch wieder viel Erfahrung aus den Wettbewerben zurück in den Betrieb, der dort allen zugutekommt.

CNC4you: Sie organisieren auch weltweit das Training für die Teilnehmer im Bereich CNC. Bei der stattlichen Anzahl von über 50 Teilnehmern ist dies ein riesiger logistischer Aufwand.

Jörg Harings: Wir haben zwei Trainingsstützpunkte eingerichtet. Einer ist in Deutschland und einer in Singapur. Dort können sich die Teilnehmer vorab mit den Maschinen vertraut machen. Die Trainer stehen vor Ort zur Verfügung.

CNC4you: Nun ist die WM seit langer Zeit wieder im eigenen Land. Wo sehen Sie als erfahrene WorldSkills-Beobachter die Stärken und Chancen der deutschen Teilnehmer?

Jörg Harings: Ein Vorteil ist sicherlich der Einsatz der Siemens Steuerung. Diese ist in Deutschland weit verbreitet und die deutschen Teilnehmer kommen damit sehr gut zurecht. Darüber hinaus ist die Qualität der deutschen Berufsausbildung im Punkt Flexibilität den anderen Ländern voraus. Dies bedeutet, bei den selbstständigen, handlungsorientierten Problemlösungen sind die deutschen Teilnehmer klar im Vorteil.

CNC4you: Vielen Dank für das Gespräch und wir wünschen erfolgreiche WorldSkills Leipzig 2013.