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Ein echter Gewinn - Interview WorldSkills

Interview mit Hubert Romer, Geschäftsführer von WorldSkills Germany, Präsident von WorldSkills Europe, Delegierter von WorldSkills International

"WorldSkills sind ein Karriere- Booster."

Geschäftsführer von WorldSkills Germany, Präsident von WorldSkills Europe, Delegierter von WorldSkills International – wenn einer den Status und die Trends bei den Skill-Wettbewerben kennt, dann ist es Hubert Romer. CNC4you hat mit ihm gesprochen.

CNC4you: Herr Romer, wenn man sich die Berufsmeisterschaften in den einzelnen Ländern anschaut, dann sieht man schnell: Die Wettbewerbe haben in den einzelnen Ländern eine sehr unterschiedliche Bedeutung. Warum ist das so?

Hubert Romer:

Ja, die Unterschiede bei den Teilnehmerzahlen, bei den vertretenen Ausbildungssystem und beim Engagement der Länder sind sehr groß. Zahl und Qualitätsstand bei einzelnen Berufen schwanken natürlich mit der Bedeutung und Verbreitung eines Berufs in den Ländern. Ein wichtiger Grund für die Unterschiede ist aber auch, dass die Wettbewerbe national sehr unterschiedlich organisiert sind. In der Schweiz und in vielen Ländern Europas sind die Wettbewerbe an die Industrie- und Handelskammern angegliedert und werden von der Wirtschaft finanziert. In Asien gelten sie als nationaler Leistungssport, sind staatlich organisiert und finanziert.

CNC4you: … und in Deutschland?

Hubert Romer:

In Deutschland und dort insbesondere in der Industrie haben die Wettbewerbe noch nicht das Gewicht und die Bedeutung, die unserer weltwirtschaftlichen Bedeutung angemessen wären. WorldSkills Germany ist ein eingetragener Verein mit etwa 70 Mitgliedern aus Handwerk und Industrie. Unternehmen wie Siemens engagieren sich hier, aber die ganz große Unterstützung durch Wirtschaft und Staat fehlt. Das wirft uns im internationalen Vergleich etwas zurück.

CNC4you: Wie wollen Sie die Situation verändern?

Hubert Romer:

Wir müssen noch besser informieren, Betriebe und junge Auszubildende besser ansprechen. Dazu haben wir jüngst ein Strategiepapier entwickelt und treiben auch die Zusammenarbeit mit den Skills-Organisationen in Österreich und der Schweiz voran. Fakt ist: Die Unternehmen und Handwerksbetriebe, die einmal dabei waren, werden sofort zu „Überzeugungstätern" und nehmen immer wieder teil. Ich sehe diese Wettbewerbe als Plattform, um der Welt die Vorteile unserer dualen Ausbildung zu demonstrieren. Und ich wünsche mir, dass diese Skills-Wettbewerbe neben Schule und Betrieb zur dritten Säule der Ausbildung werden.

CNC4you: Warum ist das so wichtig?

Hubert Romer:

Lernen im Wettbewerb ist anders. Unsere Studien zeigen: Die Teilnehmer entwickeln Stressresistenz, Führungs- und Entscheidungsstärke, Charakter und organisieren sich in Netzwerke. Alle diese Qualitäten suchen Unternehmen heute dringend. Wir verfolgen die beruflichen Biografien unserer Teilnehmer in Untersuchungen. Hier zeigt sich: WorldSkills sind ein Karriere-Booster. Und man lernt von anderen Nationen und Kulturen.

CNC4you: Können Sie dafür Beispiele nennen?

Hubert Romer:

Ja, ein bekanntes Beispiel ist die japanische Säge. Ein Werkzeug, das heute auch in vielen europäischen Betrieben wie selbstverständlich eingesetzt wird. Bekannt geworden ist sie auch durch die asiatischen Teilnehmer der Skills-Wettbewerbe. Jetzt sind wir gerade dabei, in den Bereichen CAD/CNC Teamwettbewerbe und eigene Wettbewerbe im Bereich Digitalisierung einzuführen. Ich bin mir sicher: Das wird in den anderen Ländern Schule machen.

CNC4you: Welche Vorteile sehen Sie für die Unternehmen, die Ihre Auszubildenden zu den Wettbewerben schicken?

Hubert Romer:

Die Liste der Vorteile ist lang. Das beginnt bei Werbung für den Beruf und eine deutlich erhöhte Bekanntheit der Unternehmen in der Region. In Deutschland leiden die Betriebe unter Fachkräftemangel – Bekanntheit hilft, junge Menschen für das Unternehmen gewinnen zu können und ein guter Ruf als Ausbildungsunternehmen bringt auch schlicht Aufträge. Alle diese Effekte lassen sich nachweisen.

CNC4you: Gerade viele kleine Unternehmen haben Angst, dass Sie gute Auszubildende verlieren, wenn diese durch die Wettbewerbe bekannter werden. Wie begegnen Sie diesen Ängsten?

Hubert Romer:

Die Erfahrungen der teilnehmenden Unternehmen sprechen dagegen. Die Wettbewerbe steigern die Bindung zum Unternehmen. Die jungen Fachkräfte gewinnen in der Vorbereitung und in den Wettbewerben sehr viele zusätzliche Erfahrungen. Zurück im Unternehmen sind sie ein echter Gewinn.

CNC4you: Sie engagieren sich seit vielen Jahren für die Berufsmeisterschaften. Woher nehmen Sie die Energie und was treibt sie an?

Hubert Romer:

Für mich sind die Wettbewerbe auf internationaler Ebene gelebte Völkerverständigung. Eine meiner schönsten Erinnerungen: Ich habe Israelis und Palästinenser in verschiedenen Skills bei den WorldSkills und beim Training toll zusammenarbeiten sehen. Ich persönlich bin von der Idee dieser Wettbewerbe absolut überzeugt. Auch weil ich habe gesehen haben, welche Kämpfermentalität hier Auszubildende entwickeln können. Die Wettbewerbe kehren das Beste aus den Auszubildenden hervor und da gibt es viel mehr, als es viele Ältere glauben möchten.