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Alte Technik zu neuem Leben erweckt

Guillochieren ist eine äußerst seltene Handwerkskunst, bei der Oberflächen mit speziellen Ornamenten versehen werden. Der Ulmer Uhrmacher Florentin Mack konnte sich dank professioneller Unterstützung den Traum einer eigenen Guillochiermaschine verwirklichen.

Feinste Linienmuster

„Wahnsinn, oder?“ Begeistert zeigt uns Florentin Mack eine gerade fertiggestellte Uhr. Die Platine ist mit feinsten Linienmustern überzogen. „Solche Muster entstehen durch Guillochieren“, erklärt Mack. Dabei werden mit einer speziellen Maschine in engem Abstand feinste Fäden in eine metallene Oberfläche geschnitten. Auf diese Weise ergibt sich ein Muster aus geschwungenen oder geraden Linien, die ineinander übergehen - das sogenannte Guilloche. Eingesetzt werden diese kunstvollen Verzierungen vor allem bei der Schmuckherstellung

Vom Uhrmacher zum Guillochierexperten

Schon früh interessierte sich Florentin Mack für Uhren und so war es nur konsequent, dass er sich an der Goldschmiede- und Uhrmacherschule in Pforzheim zum Uhrmacher ausbilden ließ. Die Technik des Guillochierens, die lange in Vergessenheit geraten war, brachte er sich während seiner Ausbildung selbst bei - unterstützt durch seinen Lehrmeister Steffen Wolf und den in Fachkreisen bekannten Jochen Benzinger, Guillochierspezialist und Graveurmeister alter Schule.

Danach begann der junge Uhrmacher am Deutschen Museum als Restaurator. „Das Guillochieren hat mich aber nicht mehr losgelassen und als ich 2014 eine uralte Guillochiermaschine zum Kauf entdeckte, musste ich einfach zuschlagen“, erzählt Florentin Mack. Bei der Restauration der rund 100 Jahre alten Maschine musste er leider feststellen, dass ein wesentliches Teil fehlte: die fest integrierbaren, wellenförmigen Profilschienen. Von diesen geht letztlich das Wellenmuster aus, das hundertprozentig gleich sein muss. Als Ersatzteil zu kaufen gab es diese Profilschienen nach über 100 Jahren natürlich nicht mehr.

SINUMERIK ebnet den Weg zum Guillochieren

Mithilfe des TAC Erlangen konnte Florentin Mack eine alte Guillochiermaschine wieder funktionstüchtig machen

Er wollte seinen Traum von einer eigenen Guillochiermaschine schon aufgeben, als sich ein Kontakt seines Vaters als Glücksfall erwies: Der freiberufliche CNC-Trainer Hans-Peter Moser war sich sicher, dass die CNC-Experten von Siemens im TAC Erlangen ein Ersatzteil herstellen können. Das erwies sich jedoch als echte Herausforderung: Gemeinsam mit Florentin Mack analysierte ein Anwendungstechniker die Anforderungen, bis überhaupt klar war, wie die Profilschiene konstruiert und gefertigt werden muss. Die zu fräsende Fläche der Profilschiene wurde mit NX CAM konstruiert und für die Fertigung vorbereitet. Gefräst wurden die Profilschienen auf einer Maschine mit SINUMERIK 828D. Über den High Speed Setting CYCLE832 wurde die Funktion Top Surface aktiviert und so eine optimale Werkstückoberfläche und Kontur erreicht.

Seit Mitte 2015 hat Guillocheur Mack die Profilschienen mit unterschiedlicher Wellenform im Einsatz und betreibt eine kleine Manufaktur. Nun kann er sich dank der Hilfsbereitschaft der TAC-Mitarbeiter kreativ austoben und einmalige Uhren mit seiner Guillochiermaschine fertigen. Ganz billig ist so ein Unikat, an dem er oft mehrere Tage arbeitet, natürlich nicht. Zwischen 3.000 und 13.000 Euro muss man für eine guillochierte Uhr zahlen - dafür hat man dann aber auch die Gewissheit, ein ganz besonderes Unikat zu besitzen. „Ohne das TAC Erlangen hätte ich meinen Traum vom Guillochieren wohl aufgeben müssen,“ ist sich Mack sicher und man merkt ihm die Dankbarkeit und Freude an.